Beiträge zu Systemtheorie, Information, Physiologie, Soziologie und Technologie ... Nucleus of the contributions is to represent by theory possibilities concerning the informational properties in form and function of systems as well as their evaluation until arithmetic transcription

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Autor
  Dominikus Forcht, D-71640 Ludwigsburg; 05. September 2009   /  Kontakt
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  4     Individualität und Physiologie der Systeme        Literaturverzeichnis 
  5     Physiologie der Gesellschaft   


Wahrnehmung

In den Abbildungen sind Aspekte des vorgestellten Modells grafisch umgesetzt. In der temporären Systemwahrnehmung interessiert, wie die mentale "Mitnahme" zustandekommt, in der spatialen Wahrnehmung sind es die Interpretationsoptionen (auch Konsequenzen von Perzeptionsfehlern), die erkennbar gemacht werden.
Aus dem Erkenntnisstand: 
Die Gehirn- und Bewußtseinsforscher EDELMAN und TONONI schreiben in Ihrem im Jahr 2000 erschienenen Buch Gehirn und Geist z.B. folgendes:
Die Signale, die auf das Auge eines Tiers im Dschungel treffen ... können auf unendliche Weise kombiniert werden. Ein Tier muß diese Signale dennoch für seine eigenen adaptiven Zwecke klassifizieren und irgendwie diese Kategorisierung überdies mit vorherigen Erfahrungen mit der selben Art von Signalen assoziieren können. Ein Mensch würde höchstwahrscheinlich berichten, er sähe »Bäume«. Doch aufgrund der endlosen Zahl veränderbarer Bedingungen, setzte es eine endlose Serie von Fehlerkorrekturen und eine Präzision voraus, die mindestens so hoch ist wie die eines Computers, ... wollte man das selbe mit einem kodierenden oder einem abbildenden (replikativen) Speichersystem leisten....Neurone lösen keine Floatingpoint-Aufgaben...
Ich möchte das als ein Zeichen werten dürfen, daß sich die Erkenntnis der Unvereinbarkeit von Denkweisen der Kybernetik mit Strukturen menschlicher Intelligenz und menschlichen Geistes, nun von hoch kompetenter Warte her Bahn bricht. Das nährt zugleich meine Hoffnung, daß mein Verfahren zur Darstellung natürlicher Information (siehe auch Seite "...Evolution") an Diskussionswürdigkeit gewinnt. Dem steht immer zur Seite, daß wir in der Lage sind, Größenrelationen spontan zu erkennen, wie z.B. Relationen von Tönen (bei einer Genauigkeit besser als 1 %), und daß wir Größenrelationen unabhängig von ihrer tatsächlichen Größe werten und wiedererkennen (Klang, Melodie, gegenständliche oder personale Abbildung). Das Gehirn hat mathematische Operationen nicht nötig, und doch sieht es so aus, als würde es fortwährend rechnen, komplex, schnell und bei unerhörter Speichertiefe....(?) So zu sprechen wäre falsch. Aus der Hirnforschung lernen wir, daß das sogenannte "Gedächtnis" (gleich ob kurzzeitig oder längerfristig) "nichtrepräsentational" arbeitet. Das ist so zu verstehen, daß zur Identifizierung und/oder Wertung von Wahrnehmungsvorgängen nicht etwa "gespeicherte Daten" tangiert werden, sondern daß verschieden zuständige Bereiche des Gehirns durch mehrfache Wege synaptischer Wechselwirkungen (je nach Modalität und Stärke der Verbindungen mehr oder weniger bevorzugt) "durchschalten", so daß ein dynamisches neuronales Schaltungsmuster entsteht, welches unser Bewußtsein repräsentiert. (EDELMAN und TONONI berichten darüber ausführlich.)
Erläuterungen zur folgenden Abbildung "Wahrnehmung temporär"
Die Grafik soll die Beschreibbarkeit der temporären Wahrnehmung demonstrieren. Betrachtet werden Tonfrequenzen, und zwar unter Annahme eines musikalischen Umfeldes. Klangphänomene folgen einander in (hier anonymen) Zeitabständen, wie z.B. zwischen 1 und 5 Sekunden.
Zu bedenken ist, daß die biologisch basierte Wahrnehmung primär ohne arithmetische Operationen auskommen muß. Die Dynamisierung der Wahrnehmung erfolgt unbewußt und (entsprechende Hörerneigung vorausgesetzt) zwangsweise. Zwischen Individuum und musikalischer Darbietung entsteht eine Koppelung dadurch, daß der Relationalwert und daher das Attribut ein und der selben Größe sich durch Hinzutreten weiterer Konstituenten wandelt. So erschiene im Beispiel der Ton von 360 Hz anfangs mit Attribut 1, dann mit 2, mit 6 und schließlich mit Attribut 12. Anders gesagt: Das Hinzutreten einer Konstituente kann den Relationalwert der vorher anwesenden Konstituenten ändern. Das ist auch ganz allgemein ein Modell für die Art der Dynamisierung der Wahrnehmung im Fluß von Ereignissen.

Wahrnehmung temporär  

Was fällt hier auf?

Zu Beginn der Klangfolge fällt das Attribut 1 auf 360 Hz, zwischendurch trifft Attribut 1 auf 480 Hz, 192 Hz, zuletzt auf 128 Hz. Entsprechend "sortieren sich" die anderen Attribute je Moment des dynamischen Relationengefüges neu.

Modellierung von Ereignissen in der Wahrnehmung
Mit der obigen Grafik wird eine der Charakteristiken der Relationalen Informationstheorie deutlich:
Die angegebenen Frequenzen können beliebig verändert werden, und sind die Relationen die selben, so sind auch die in der Tabelle erscheinenden Attribute die selben.
 
Ohne differenzierte Rezeptivität (hier auditorisch) könnten anstatt Klangphänomenen höchstens Geräusche wahrgenommen werden. Erst die Wahrnehmung von Relationen läßt Charakteristiken der Klangphänomene erscheinen. Diese resultieren aus den mit den Relationen signalisierten Attributen, d.h. Abstand je Konstituente von 2^n. Diese Attribute wiederum bilden die Grundlage für Skalierungen, gleichzeitig oder zeitversetzt vergleichend oder erinnernd. Aus dem Zusammenhang je Moment des Ereignisses können sich so auch die relativen Gewichte (Attribute) auch gleicher Relationalwerte ergeben.

Die Relationale Informationstheorie macht Prinzipien der Wahrnehmung übertragbar

Die Dynamisierung der Wahrnehmung erfolgt aufgrund der Änderung von Relationen, die aus Relationalwerten und Attributen je Konstituente herleitbar ist. So wird auch ersichtlich, wie das Prinzip Kommunikation die mentalen Reaktionen des wahrnehmenden Individuums quasi okkupiert. In der Natur ist diese "Verbindung" zunächst auf die jeweils biologisch realisierten Wahrnehmungsmöglichkeiten eingeschränkt und außerdem davon abhängig, ob und wie möglicherweise biologisch oder anders drängende Extreme davon abhalten, mit differenzierten Verhalten zu reagieren. Hier könnte dann die erhöhte Kontrollfähigkeit des fortgeschritten intelligenten Individuums zur Geltung kommen. Außer in der Verbindung zur realen Umgebung wirkt das Prinzip Kommunikation selbstverständlich auch bei "systemintern" (man kann auch sagen "psychisch") produzierten Bildern und Abläufen, die mehr (z.B. antizipatorisch) oder weniger (z.B. im Traum) kontrolliert sein mögen.
Vereinfacht gesagt: In der folgenden Abbildung ist eine Folge von Klangereignissen aufgeschlüsselt, welche mit einem Ton beginnt, und die von Event zu Event einen Ton mehr enthält. Sie verdeutlicht, wie es dazu kommt, daß das hörende Individuum durch Hinzutreten einer Konstituenten ein neues Relationengefüge "erlebt" und sich von einer Sequenz solcher Änderungen mental mitnehmen lässt. Natürlich werden die Realitäten, die dem zugrunde liegen, nicht immer ins Bewußtsein vordringen. Aber der Zusammenhang zwischen physikalisch definierten Ereignissen und unbewußter biologischer Wahrnehmung ist damit auf eine universale Ebene gestellt.  
Zur Realationenarithmetik gibt das Beispiel folgende Botschaft: Die Konstituenten können auf beliebige Größen transponiert werden. Solang die Relationen gleich bleiben (und nicht die Grenzen der Perzeptivität tangiert werden), bleiben auch die relationalen Attribute gleich(!). So gibt das Modell u.a. die Erklärung dafür, warum der Mensch eine Melodie identifiziert, gleichgültig, in welcher Tonlage sie vorgetragen wird. Mit der in Seite Evolution entwickelten und hier vorgeführten Relationenarithmetik ist ein wesentliches Prinzip der Erscheinungsweise von Informationsumsetzungen, sprich: von Kommunikation, sprich: von Systemen, erklärbar: Ein universales Prinzip. 
Erläuterungen zur folgenden Abbildung "Wahrnehmung spatial" 
Subjektiv zeitlich parallel erscheinende Beziehungen zwischen Größen sind insoweit "räumlicher" Art, als sie -- je nach Ebene der Beobachtung -- mit unterschiedlichen Attributen von Relationalwerten wahrgenommen werden. Bemerkenswert ist in diesem Fall, daß z.B. zwei in ihrer Innenbeziehung identische Relationengefüge sich ganz anders darstellen, sobald man die selben gemeinsam von außen betrachtet. Das Prinzip Kommunikation und die vorgestellte Modellierung können hier auch vermitteln, daß eine typische Art von Fehlerquellen aus der subjektiven Wahrnehmung resultiert, nämlich dann, wenn die Toleranzneigung Schwankungen unterworfen ist.

 Wahrnehmung spatial  

 

In der Abbildung kommt ferner zum Ausdruck, wie das Prinzip Kommunikation die Sensibilität für Ordnungen berührt. Die Theorie erlaubt beispielsweise zu modellieren, wie Ordnungsrelationen, ob im Physikalischen, Biologischen oder Sozialen, subjektiv primär wahrgenommen werden, ehe die Wahrnehmungen nach höheren Bereichen hin (Begriffe, Assoziationen, Schlußfolgerungen) verzweigt werden.
(Um entsprechende Aufschlüsse aus dem Modell zu erhalten, ist es notwendig, die eventuelle Einwirkung extremer Bedingungen, die besondere Reaktionen herausfordern, erst einmal auszuklammern.) 
 
 
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