- ...und wo bleibt nun die wunderbare,
quantisierende Informationstheorie, wie sie dem interessierten
Zeitgenossen in Medien und eigenen Gedanken täglich begegnet
?
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- Im Geleitzug der Kybernetiker
und Computer-Pioniere ca. 1940 bis 1960 (JOHANN VON NEUMANN,
NORBERT WIENER u.a.) war CLAUDE ELWOOD SHANNON wesentlich an
der Entwicklung jener Theorie beteiligt, welche - problemorientiert
- eine Optimierung der technischen Nachrichtenübertragung
zum Ziel hatte. Hier war beispielsweise die Frage zu klären,
wieviele bits benötigt werden, um eine Nachricht unter definierten
Bedingungen mit einer definierten Sicherheit des Inhalts zu übertragen.
Ein direkter Bezug dieser Informationstheorie zu Semantik, Bedeutung
und Wissen besteht aber nicht. Das bit ist nichts anderes als
eine Codierungseinheit. Shannon selbst nennt seine Arbeit auch
nicht Informations- sondern Kommunikationstheorie.
Die Informationstheorie nach SHANNON ist also Grundlage von statistischen
Methoden, um Nachrichtenflüsse in technischen Medien zu
messen und Relationen zu Kanal- und Speicherkapazitäten
sowie Sicherheit und Korrekturmöglichkeiten zu entwickeln
und zu beurteilen. Das sind technologische Aufgaben; aber die
Umsetzung dieser Theorie in anderen Wissenschaften führt
ins Leere. Mit Bit-Strukturen könnten nur wenige Aspekte
von natürlichen Phänomenen beschrieben werden, weil
die natürlichen Phänomene aus vielen Prozeßphasen
herrühren, die für den Menschen oft nicht einmal erkennbar
sind. Die Tatsache, daß man mit 1-/0-Präsentationen
arithmetisch verfahren kann, ähnlich wie mit beliebig anderen
Zahlen, so daß ein direkter Anschluß zur Mathematik
herstellbar ist, ist noch kein Grund, in den 1-/0-Präsentationen
etwa die Metaphysik von Universum, Leben und Kunst zu suchen,
wie schon vielfach beobachtet.
In den Jahren nach 1950 gründete sich auf jene quantisierende
Informationstheorie in anderen Wissenschaften das grandiose Mißverständnis,
die Natur könnte etwas mit dieser Informationstheorie zu
tun haben. Mehr oder weniger latent wurde mit der Idee gespielt,
diese Informationstheorie könnte eine Art "Quantentheorie
des Geistes" sein. Aber Information ist einzig und allein
dort, wo ein "Ding" seiner eigenen Physiologie gemäß
reagiert und dadurch (gleich ob bewußt oder unbewußt)
selbst vorgibt, welche Teile von potentieller Information wie,
wann und mit welcher Bedeutung weiter umgesetzt werden. Das gilt
für alle Arten von natürlichen Systemen, auch analog
bis hin zum atomaren und molekularen Bereich.
Folgendes Beispiel weist auf die Problematik hin: Subjektiv qualitative
Momente von und in Prozessen sind "quantitativ"
nicht verifizierbar. Bit-Strukturen sind zwar informationale
Repräsentation, aber allein zur Erklärung eines Prozesses
nicht geeignet: Prozesse, die ja aus dem Gefälle zwischen
Potentialen hervorgehen, können lediglich durch die Relationen
beschrieben werden, die in dem Potentialgefälle herrschen.
Vorgänge in natürlichen Systemen resultieren aus vielfältig
aufeinander bezogenen Relationen und sind daher nicht als Bit-Menge
und daher nicht als Bit-Struktur erfaßbar.
In den Berichten des bekannten Wissenschaftsjournalisten JOHN
HORGAN, AN DEN GRENZEN DES WISSENS, ist vermerkt, wie
SHANNON sich in persönlichen Gesprächen mit HORGAN
skeptisch äußerte; er gibt an:
"Shannon selbst zweifelte, ob gewisse Anwendungen seiner
Theorie zu greifbaren Ergebnissen führen würden: »aus
irgendeinem Grund glauben gewisse Leute, sie [die Informationstheorie]
könne etwas über Bedeutungen aussagen« ... »doch
das kann sie nicht und dazu war sie auch nicht gedacht.«"
Nach HORGANs Ermittlungen wurde versucht (sinngemäß),
die Informationstheorie in Linguistik, Psychologie, Volkswirtschaft,
Biologie, »...und sogar in die Geisteswissenschaften...«
einzuführen, und wörtlich u.a.:
"So versuchten beispielsweise mehrere kluge Köpfe,
Formeln aus-zuhecken,
- die die Qualität
von Musikstücken zu deren Informationsgehalt in Beziehung
setzen..."
Für natürliche, evolutiv potente Systeme gibt es nur
Wechselwirkungen, deren informationale Implikationen in kleineren
oder größeren Teilen per Reaktion aufgenommen werden.
Das dürfte in den meisten Fällen so vor sich gehen,
wie im Bild oben gezeigt. Es ist die existenziell notwendige,
sich sporadisch und temporär verhaltende Physiologie eines
Systems, die im Zuge des Reagierens "entscheidet" (gleich
ob bewußt, vorbewußt oder rein reaktiv), welche Information
bei welcher Interpretation, wann, mit welchem Gewicht usw. aufgenommen
wird und in welcher Wechselwirkung sie (gleich ob nach innen
oder nach außen gerichtet) wiederum zur Wirkung gelangt.
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- Und weiter aus "Gehirn
und Geist" von EDELMAN und TONONI eine heiter mahnende Wahrheit,
die an Computerfachleute und Hirnforscher gleichermaßen
gerichtet sein könnte:
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- "...Neurone
lösen keine floating-point-Aufgaben..."
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- Trotzdem leistet das Gehirn
von Menschen und anderen Primaten Funktionen, die von Computern
nur schwer nachzubilden sein dürften. Um derart natürliche
Funktionen zu realisieren, bedient sich ein Nervensystem ganz
anderer Methoden...
- (Lesen Sie weiter in den HTML-Seiten
aus obigem Menü, wie z.B. Relationale
Informationstheorie und besonders in den unter Manuskript
angebotenen PDF-Schriften.)
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